Authentisch leben- wie geht das? Ich zeige dir, was das wahre Selbst ist und wie du dort hinkommst.

„Dies über alles: Sei dir selbst treu“ (aus: Hamlet/Shakespeare)
Oder warum es sich wirklich lohnt, authentisch zu leben!

Der Aufbruch zu deiner Heldinnenreise in ein authentisches und selbstbestimmtes Leben.

Γνῶθι σεαυτόν

lautet eine Inschrift am Apollotempel in Delphi. Gnṓthi seautón  ist altgriechisch und bedeutet so viel wie

„Erkenne dich selbst“.

Was ursprünglich als Warnung vor der eigenen Selbstüberschätzung galt („Schuster bleib bei deinen Leisten“ oder anders gesagt: „Mensch, du bist und bleibst ein Mensch – bitte halte dich nicht für einen Gott!“), wurde von der Forschung auch in eine andere Richtung interpretiert: „Mensch, vergiss nicht, dass du sterblich bist und deine Möglichkeiten begrenzt sind!“

Geht es nach dem römischen Philosophen Seneca, ging es bei dieser Weisheit um die Erinnerung daran, wie verletzlich der Mensch im Grunde ist. Es braucht nicht viel, um ihn zu zerbrechen („…eine kleine Erschütterung kann den Menschen in Scherben zerbrechen lassen!“)

Eine andere Interpretation forderte, dass der Mensch sich doch besinnen möchte, dass er immer schon Teil der Natur war und als Kind dieser Erde immer noch in diese eingebettet ist. Gemeint war, man möge doch eine Lebensweise im Einklang mit der Natur anstreben.

Für Platon stand ein anderer Aspekt im Vordergrund: Frei nach dem Motto „Wisse, dass du im Grunde nichts weißt“ lehnte sich Platon an den Sokratischen Ausspruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ an und legte damit dem Menschen ein Streben nach Einsicht ans Herz, um den eigenen Charakter zu veredeln. Platon sorgte sich zeitlebens sehr um die Seele des Menschen und für ihn stand fest, dass ein Mensch, der sich um Selbsterkenntnis bemüht, seine Seele rettet.

Diese Sichtweise läutete einen Bedeutungswandel ein. Nach der eher ernüchternden Auslegung des Menschen als „Mängelwesen“ wurde von nun an der positive Aspekt der Selbsterkenntnis in den Vordergrund gerückt. Nicht mehr die Beschränkungen zeichnen den Menschen aus, sondern auch die Fähigkeit, das Gute in uns zu erkennen.

Bereits im Alten Testament wird der Mensch als ein von Gott erschaffenes Wesen gesehen und somit als „Gottes Ebenbild“ erkannt. Origines soll behauptet haben, dieser Gedanke sei über die Juden zu den Griechen gelangt, wo die Aufforderung, sich der Selbsterkenntnis der Seele hinsichtlich ihrer göttlichen Herkunft zuzuwenden, ihren Niederschlag fand.

Der Drang, zu wissen, wer wir im Innersten sind, scheint die Menschheit schon seit Jahrtausenden zu beschäftigen.

Erkenne dich selbst.

Aber wer bin ich wirklich im Grunde meines Herzens und wie bin ich denn, wenn ich echt ich selbst bin?

Das wahre Selbst stützt sich auf 3 Säulen:

  1. Das Selbstbild: meine körperlichen Merkmale und meine Eigenschaften
  2. Der Selbstwert: ist unterschiedlich in den verschiedenen Lebensrollen
  3. Das idealisierte Selbst: wie ich gerne wäre.

Dazu kommen noch das körperliche Selbst (was ich spüren kann) und das psychologische Selbst (meine Meinungen und Erinnerungen).

Unser wahres Selbst lebt oft unter einer Maske, die wir aufgrund von unterschiedlichen Rollenerwartungen aufsetzen.

Ein Beispiel: Marie ist eine Klientin, die sich mir so beschrieben hat:

„Ich bin Tochter, Ehefrau, Mutter, Kollegin, Freundin und Mitglied in einem Verein. Überall erfülle ich eine bestimmte Rolle und genauso gebe ich mich auch. Und am besten immer perfekt. Keiner verlangt das, aber ich habe das Gefühl, ich darf nicht versagen, sonst bricht alles über mir zusammen. Manchmal habe ich es einfach satt. Ich wäre auch gerne mal hilfsbedürftig, unorganisiert und chaotisch. Denn im Innersten fühle ich mich oft so, aber zeigen würde ich es nie.“

 

Ödön von Horvath sagte einmal so treffend:

„Ich bin eigentlich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.“

 

Warum fällt es uns so schwer, unser wahres, authentisches Ich zu erkennen und ihm mehr Raum zu geben, also endlich diejenige zu sein, die wir in Wirklichkeit sind?

Oder anders gefragt: Was hindert uns daran, dass wir ganz wir selbst sein können?

Die Antwort ist:

  • Erwartungen, die wir oder andere an uns stellen
  • Zwänge, denen wir unterliegen
  • Grenzen in unserem Kopf
  • und auch Bequemlichkeit.

Was würde es bedeuten, wenn wir ganz wir selber, also wirklich authentisch leben könnten?

Wir würden…

  • zu uns selbst stehen und uns gut finden, so wie wir nun einmal sind
  • unsere eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und danach leben
  • Position beziehen anstatt uns ständig anzupassen
  • echt sein und nicht versuchen, anderen etwas vorzumachen.

Das hätte den Vorteil, dass wir

  • ein stabileres Selbstwertgefühl hätten und somit auch selbstbewusster auftreten würden
  • uns deutlich wohler in unserer Haut fühlen würden
  • eine weit höhere Lebenszufriedenheit hätten
  • in erfüllteren Beziehungen leben würden
  • weniger Angst empfinden müssten
  • weniger aggressiv reagieren würden
  • eine weitaus bessere Laune hätten
  • ein stabileres Immunsystem, damit eine bessere Gesundheit hätten und deswegen weniger krankheitsanfällig wären.

 

Klingt das gut? Ich finde schon.

Vielleicht denkst du jetzt: „Ja, aber solche Menschen wirken möglicherweise egoistisch…!“

Ich sage dir eines: Menschen, die so denken, sprechen sich selbst dieses Recht auf Selbstverwirklichung ab und gönnen sie daher auch keinem anderen.

In Wahrheit ist es nämlich so, dass authentische Menschen weitaus herzlicher, charismatischer und sympathischer wirken, weil sie zufrieden sind mit sich und ihrem Leben!

Und eines sollte man nicht vergessen: Zum Ich gehört immer auch das Du, oder wie Viktor Frankl es so treffend ausgedrückt hat:

„Das Ich wird Ich erst am Du.“

Was heißt das?

Authentisch zu leben heißt, sich selbst zu verwirklichen UND mit anderen Menschen in Interaktion zu sein. Die eigene Selbsterfahrung realisiert sich eben erst durch den Kontakt mit anderen Menschen.

 

Es gibt viele Aspekte, die ein authentisches Leben ausmachen. 5 davon möchte ich dir gerne ans Herz legen:

  1. Entwickle ein gutes Gespür für deine eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle. Was sind deine Motive im Leben, dein „Warum“?
  2. Nimm deine Stärken und Schwächen einmal durch eine realistische Brille in den Blick. Was ist wirklich wahr? Was ist wirklich wichtig? Von welchen Vorstellungen darfst du dich auch gerne verabschieden, weil sie a) immer schon ein Trugbild waren (z.B. „Ich kann nichts“, „Ich bin zu blöd für alles“) oder b) jetzt nicht mehr für dich stimmen (weil du dich weiterentwickelt hast)
  3. Gehe deinen eigenen Werten auf den Grund, entdecke deine Vorlieben und Bedürfnisse und lebe auch danach. Das betrifft deine Gedanken, deine Worte und deine Taten! Lebe also selbstbestimmt (du gibst die Richtung vor!!!) im Einklang mit deinen Vorstellungen!
  4. Pflege und lebe in Beziehungen, die dir guttun und sei dir bewusst, dass sie der Ort sind, wo du Vertrauen entwickeln und aufbauen kannst!
  5. Setze dich mit dem Sinn deines Handelns auseinander. Sinn erlebst du, wenn du selbstbestimmt verantwortungsbewusst nach deinen persönlichen Begabungen leben kannst. Als Kompass dienen dir deine Werte. Sie können Entscheidungshilfen für dich sein und lenken deinen Blick auf dein Ziel.

 

Vielleicht magst du dir ein paar Fragen zur Selbsterforschung stellen:

  • Was gibt meinem Leben Bedeutung?
  • Was macht mich aus?
  • Was ist schon in mir angelegt (Begabungen, Stärken)?
  • Welche Kompetenzen und Interessen bringe ich mit?

So simpel die Fragen im ersten Moment vielleicht klingen, sie erfordern doch einiges an Ehrlichkeit und Offenheit, um sie zu beantworten!

Manchmal stellt das Leben selbst die Fragen. Dann sollten wir unsere Antennen ausfahren und mal genau zuhören!

Wenn wir ganz wir selbst werden, geschieht das manchmal in einer Art „Berufung“. Wie in einer Heldengeschichte, wo eine Person durch ein Ereignis von außen ins Abenteuer aufbricht. Das ist der Stoff, aus dem die berühmtesten Geschichten sind: „Der Aufbruch zur Heldenreise“. Odysseus, Frodo, Harry Potter, sie alle wurden berufen, ihr wahres Selbst ans Tageslicht zu bringen.

Und mit einer Reise lässt sich die Auseinandersetzung mit unserem wahren Kern auch gut vergleichen. Denn authentisch zu leben ist ein Prozess. Ein Weg, den wir uns entschließen zu gehen, der nicht immer einfach ist, aber auf jeden Fall wert!

Was es braucht ist ein klein wenig Mut, den ersten Schritt zu setzen, die Verantwortung zu übernehmen und uns als die aktiv Gestaltenden unseres Lebens wahrzunehmen.

Wir sind die Urheber unserer Geschichte! Lasst uns ein Leben erschaffen, das zu uns passt!