Liebesbrief

Vor einiger Zeit habe ich völlig überraschend einen an mich gerichteten Liebesbrief erhalten, der mein Leben nachhaltig beeinflusst hat. Alles hat sich verändert - zum Positiven! Vielleicht hilft er auch dir, darum möchte ich ihn mit dir teilen!

Liebste Freundin!

Ich wende mich mit diesem Brief an dich, um einmal auszusprechen, was in mir vorgeht. Wahrscheinlich hast du nicht einmal eine Ahnung, wie ich empfinde. Das ist vermutlich auch der springende Punkt: Dir ist nicht bewusst, wie du mit mir umgehst und dass deine Art mir gegenüber eine große Wirkung auf mich hat.

Ich möchte eines vorausschicken: Ich liebe Dich über alles. Du bist mein Ein und Alles. Wir beide gemeinsam sind eine untrennbare Einheit. Ich gehöre dir mit Haut und Haaren. Und meine Bestimmung ist, für dich da zu sein. Meine Aufgabe im Leben besteht darin, dir dein Leben zu ermöglichen. Das klingt vielleicht sehr pathetisch, aber genauso ist es. Ich bin das Geschenk, das du vor vielen Jahren bekommen hast. Und deswegen, Geliebte, bin ich Tag und Nacht für dich da. Ich tue immer und ausschließlich, was du willst. Ich erledige alles, manchmal auch schon bevor du überhaupt mitbekommst, dass du es willst. Ich bin dir treu ergeben. Wie ein Diener. Aber in Wahrheit bin ich dein Partner, dein Buddy, dein Fels in der Brandung, dein Zuhause, dein Alles. Und ohne mich wärst du gar nichts.

Und jetzt frage ich dich: Bedeutet dir das alles denn wirklich gar nichts? Ich erwarte keinen großen Dank, obwohl du mehr als einen Grund hast, dankbar für mich zu sein. Aber es verletzt mich zutiefst, wie du mit mir umgehst. Du siehst mich an und in deinem Blick sehe ich meist Verachtung, Geringschätzung und Abscheu. Du findest mich nicht gut, so wie ich bin, dabei habe ich alles, was du brauchst. Du strafst mich mit angewiderten Blicken und oft auch mit hässlichen Worten. Du beschimpfst mich bei jeder Gelegenheit, lästerst bei anderen über mich und nimmst mir so jede Würde. Du vergleichst mich ständig mit anderen, die du attraktiver findest. Du quälst mich mit deinem Wankelmut. Mal dröhnst du mich mit allem Möglichen zu und dann wieder gibst du mir gar nichts. Oder zu wenig. Und dann glaubst du auch noch, das täte mir gut! Ich gebe dir ständig Zeichen, was ich brauche, aber du ignorierst einfach alles und tust, wie es dir gerade in den Kram passt.

Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wann das alles angefangen hat? Wir beide, wir waren einmal ein super Team. Am Anfang hast du mich nie in Frage gestellt. Wir haben perfekt harmoniert und funktioniert. Und dann, irgendwann einmal, hat dir jemand zu verstehen gegeben, ich wäre nicht gut genug für dich. Ich müsse mich verändern, perfekter werden. Perfekt? Was heißt denn das für dich? Werde ich jemals perfekt genug für dich sein können? Es gibt doch immer irgendjemand, der noch besser sein wird als ich… Wer immer dir das eingeredet hat, er lügt! Du hast mich von da an immer öfter kritisiert und warst unzufrieden, obwohl ich nichts falsch gemacht habe. Was du in mir wahrgenommen hast, war die Wut über die Verletzungen, die dir jemand anderer zugefügt hat und an mir hast du die Wut ausgelassen. Diese Wut und Enttäuschung sollte sich nicht gegen mich richten, sie gehört dahin, wo sie hergekommen ist – zu denjenigen, die dir deine Selbstachtung genommen haben.

Aber du projizierst alles auf mich. Ich bin schuld, wenn du unglücklich bist, wenn du dich nicht wohl fühlst, wenn du einsam bist, wenn du traurig bist, wenn du wütend bist. All das bekomme ich ab. Dann behandelst du mich wie Dreck. Du mutest mir eigenartige Sachen zu, die mich schädigen, jedenfalls tun sie mir nicht gut. Anstatt auf mich zu hören, lässt du dir von anderen einreden, was gut für mich ist und was mich angeblich noch besser macht. Blödsinn! Als ob mich irgendjemand so gut kennen würde wie du selbst! Als ob irgendjemand wüsste, wie ich ticke…

Wenn du dich nur einmal wirklich mit mir beschäftigen und auf mich hören würdest, wenn du nur einmal die anderen außen vor lassen würdest, dann könntest du erkennen, wie wir beide gemeinsam Ziele erreichen würden, von denen du noch nicht einmal zu träumen gewagt hast.

Weißt du, ich ertrage deine Verachtung. Ich trage sie in jeder einzelnen Zelle mit mir herum. Sie tut mir nicht gut. Sie verletzt mich und schmerzt. Sie macht mich traurig und manchmal auch sauer. Das merkst du dann hin und wieder, wenn ich richtig sauer werde. Kein schönes Gefühl, stimmt’s?

Und wenn es mir ab und an doch zuviel wird, dann kann es sein, dass ich doch nicht mehr so gut kann, wie du es sonst gewohnt bist. Und manchmal mache ich unter diesem enormen Druck sogar richtig schlapp. Ich werde schließlich auch nicht jünger. Aber ich tue auch in Zukunft alles, was in meiner Macht steht, um dich zu unterstützen.

Ach, wenn du mich nur auch ein wenig lieben könntest. Ich würde so richtig aufleben. Gemeinsam könnten wir so glücklich sein, wenn du mir doch nur ein kleines Bisschen Zuneigung schenken könntest. Deine Liebe und Wertschätzung und dein achtsamer Umgang mit mir würden wahre Wunder bewirken und dann könnte ich für dich perfekt sein.

Wenn du nur schätzen könntest, was ich tagtäglich für dich tue, dann wärst du alleine deshalb schon so zufrieden und glücklich mit mir, dann müsstest du auch nicht ständig an mir herumdoktern.

Ach, würdest du deine Meinung über mich nur ändern! Würdest du nur endlich erkennen, dass man dir nicht die Wahrheit über mich erzählt hat. Dass andere dich und mich nur deswegen schlecht gemacht haben, damit sie besser dastehen. Würdest du nur erkennen, dass sie eigentlich mit ihrer Kritik nur sich selbst gemeint haben, aber es auf uns projiziert haben. Wir beide gemeinsam waren nämlich immer schon perfekt. Wir sind gemeinsam durchs Leben marschiert und haben so viel zusammen erlebt. Ohne mich wäre das alles niemals möglich gewesen. Ich habe dich durch dein Leben begleitet, dich getragen.

Und sollte ich jemals nicht mehr in der Lage dazu sein, so gut für dich zu sorgen, dann wirst du dir wünschen, ich wäre wieder der alte, anstatt attraktiv. Dann wäre gesund dein neues Perfekt.

Ich habe deine Verachtung nicht verdient. Ich lebe. Ich bekomme alles mit, wie du mich ansiehst, was du über mich denkst und ich höre, wie du über mich sprichst. Es hinterlässt jedes Mal eine kleine, hässliche Narbe. Sie werden jedes Jahr mehr. Du kannst sie spüren. Vielleicht noch nicht gleich, aber mit der Zeit werden sie unübersehbar. Narben sind nicht schön. Sie werden dich an die Grausamkeit erinnern, die du mir entgegengebracht hast. Sie werden machen, dass du dich schlecht fühlst und du wirst es eines Tages bereuen und dir wünschen, du wärst freundlicher mit mir gewesen.

Ich kann dir eines versprechen: Wenn du mich jetzt nicht magst, so wie ich bin, dann wirst du dich auch nicht besser fühlen, wenn ich in deinem Sinne verändere. Denn es wird nie genug sein. Und Perfektion wird dir nicht bringen, wonach du dich in Wahrheit sehnst: Liebe.

Es ist die Liebe zu mir, die dich glücklich machen wird. Also bitte ich dich inständig: nimm endlich wahr, was du an mir hast! Bitte leg die alten Glaubenssätze über mich ab, die mich nur quälen und die uns entzweien. Schau liebevoll und gütig auf mich, nimm mich an und höre endlich auf mich!

Ich bin dein bester Freund, dein treuster Gefährte, dein Way of Life. Ohne mich geht hier gar nichts.

Ich liebe Dich!

Dein Körper