More than a feeling? Bedürfnisse: Was wir wirklich brauchen, damit wir uns wohl fühlen.

„Wie geht es dir?“ ist wohl eine der am häufigsten gestellten Fragen. Die Antworten darauf fallen aber oft nur sehr spartanisch aus. „Gut.“, „Geht so.“, „Naja, geht eh!“

Je nachdem, wer uns diese Frage stellt, sind wir mal mehr und mal weniger bereit, Auskunft darüber zu geben, wie es in uns aussieht. „Geht ja auch im Grunde nur mich was an!“ denken sich viele und sie haben grundsätzlich Recht. Aber dass es uns persönlich schon betrifft, wie wir uns fühlen, das kann wohl niemand abstreiten. Oft genug schlagen wir uns mit unseren Befindlichkeiten herum, ohne genau zu wissen, warum wir uns fühlen, wie wir uns fühlen.

Aber warum reden wir dauernd vom Fühlen? Geht es in diesem Artikel nicht um Bedürfnisse? Ja, da scheint es einen Zusammenhang zu geben…!

Tatsächlich sind es unsere Gefühle, die uns zu unseren Bedürfnissen bringen. Aber eines nach dem anderen. Die Voraussetzung für unsere Bedürfnisse:

Gefühle: Was sie sind, wie sie entstehen und welche Bedeutung sie für uns haben

Was sind Gefühle und wie entstehen sie?

Biochemisch sind Emotionen Botenstoffe, die vom Gehirn ausgeschüttet werden, wenn unser Hirn auf einen Sinnesreiz von außen reagiert.

Was heißt das?

Wir erleben unsere Umwelt durch unsere Sinnesorgane. Damit etwas für uns „Sinn“ ergibt, brauchen wir unsere Sinne. Unser Gehirn reagiert auf solche sinnlichen („sensorischen“) Informationen, also auf Reize der Sinnesorgane: Wir sehen, hören, riechen, schmecken, ertasten etwas. Dann erfolgt im Hirn ein Datenabgleich. Gibt es vergleichbare Erfahrungen, die wir im Gedächtnis gespeichert und auf die wir zurückgreifen können? Wenn ja, dann wird das Erlebte gedeutet, eingeordnet und bewertet. Daraus entsteht ein Gedanke. Gemäß dem Gedanken, der erzeugt wird, setzt das Gehirn biochemische Signale frei und schüttet Botenstoffe aus, die sich im Körper manifestieren. Diese Boten des Gehirns können wir als ein bestimmtes Körpergefühl spüren. Das alles passiert sehr schnell und ohne, dass wir es bewusst wahrnehmen.

Ein Beispiel:

Ich leide unter Lampenfieber, bevor ich einen Vortrag vor fremden Menschen halte. Diese Nervosität entsteht aus der Sorge, ich könnte mich lächerlich machen, versagen oder unter „Buh-Rufen“ von der Bühne gejagt werden. Mein Gehirn hat vielleicht eine Erinnerung aus meiner Kindheit gespeichert, wo ich mich vielleicht in der Schule bei einem Referat einmal blamiert habe. Jedenfalls wird die Situation für mein Gehirn als bedrohlich eingestuft. Mein Gehirn signalisiert: Achtung Stress! Verschiedene Botenstoffe (Hormone, wie z. B. Adrenalin) werden ausgeschüttet. Ich kann das auch körperlich spüren, denn mein Herz rast, meine Hände fangen an zu schwitzen und ich bekomme weiche Knie. Ich erlebe das Gefühl „Nervosität“. In mir höre ich die Gedanken „Hoffentlich geht nichts schief mit der Technik, hoffentlich vergesse ich nichts, hoffentlich kommt der Vortrag gut an, …“

Letzten Endes nehme ich nur die bewussten Gedanken am Schluss wahr, alles andere davor passiert im Bruchteil einer Sekunde. Somit kann ich hier auch nicht eingreifen und verhindern, dass das Lampenfieber ausbricht.

Dieses Reaktionsschema läuft immer gleich ab:

Erleben – Bewerten – Gefühl – Denken – Reaktion

Je nachdem, ob wir eine Situation positiv oder negativ bewerten, werden im Körper andere Botenstoffe ausgeschüttet, die jeweils unterschiedliche Gefühle in uns auslösen.

Positive Erlebnisse lösen Glücksgefühle aus, in diesem Fall heißen die Botenstoffe Endorphin, Oxytocin, Dopamin, oder Serotonin.

Negative Erlebnisse lösen unangenehme Gefühle aus. Ein Beispiel ist das Neuropeptid Y: es ist zuständig für Hunger, die Magen-Darm-Motorik, aber auch für Angst. Daher der sprachliche Zusammenhang „Sich vor Angst in die Hosen machen“. Andere Botenstoffe sind z. B. die Stresshormone Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin.

Gefühle sind Energien.

Gefühle werden auch Emotionen genannt. E-Motion bedeutet „Energy in Motion“ (Energie-Bewegung). Zerlegt in unsere kleinsten Bestandteile bestehen wir jenseits aller Materie aus Energie. Jede Körperzelle hat ein Energiefeld, eine Vibration, also eine bestimmte Schwingung. Und unsere Gedanken beeinflussen diese natürliche Schwingung, denn jeder Gedanke ist ein neuronales Feuerwerk.

 

Unsere Wahrnehmung: Die Brille, durch die wir die Welt sehen

Wir denken im Durchschnitt 60 000 Gedanken pro Tag, das ist etwa ein Gedanke pro Sekunde!

  • 70 % davon sind neutral
  • 27 % sind negativ
  • 3 % sind positiv

Was und wie wir über etwas denken, welche Gefühle wir wahrnehmen hängt von unseren Prägungen aus der Kindheit, unseren Glaubenssätzen und letztlich von unserer Einstellung zum Leben ab.

Wir bewerten eine Situation nach den Kriterien, die uns in der Kindheit beigebracht wurden. Ob wir etwas als gut oder schlecht, sicher oder gefährlich, richtig oder falsch einschätzen, hängt vom jeweiligen sozialen Kontext ab, in dem wir aufwuchsen und in dem wir leben. Besonders in der Kindheit wurden wir von unseren Bezugspersonen darüber aufgeklärt, wie das Zusammenleben in der jeweiligen Gruppe zu funktionieren hat. Diese Kindheitsprägungen sind tief verwurzelt in uns und kommen auch im Erwachsenenalter immer wieder an die Oberfläche. Auch unser Bild von uns selbst entstand in der Kindheit. Dort wurde uns vermittelt, ob wir erwünscht, richtig und geliebt waren oder ob wir eine Last, nicht gut genug oder wertvoll genug waren. Aus diesen Erfahrungen speisen sich die Glaubenssätze über uns und der Welt.

Hast du gewusst, dass wir nur ca. 5 % der Umwelt bewusst, also sinnlich wahrnehmen, aber 95 % unbewusst? Das bedeutet, dass das, was wir als „Realität“ zu erleben glauben, durch diverse Filter läuft. Diese Filter beeinflussen, wie wir die Welt einschätzen:

  • Durch die Brille unserer Erfahrungen, die gespeichert sind
  • Durch die Brille unserer Bewertungen, die wir vornehmen
  • Durch die Brille unserer Glaubenssätze, die verinnerlicht sind
  • Durch die biochemische Brille: Hormone

Die Brille, die ich aufhabe bestimmt, wie ich mich und die Welt sehe. Meine Einschätzung von Erlebten löst Gefühle aus. Dies erzeugt Gedanken. Aus Gedanken werden Worte, aus Worten werden Taten. Dementsprechend reagiere ich auf die Welt.

Du bist heute, was du gestern gedacht hast und das, was du heute denkst, wirst du morgen sein.“ (Buddha)

 

Wozu brauchen wir Gefühle?

Gefühle sind Motoren, die uns ins Tun bringen. Sie warnen uns vor Gefahren, führen uns hin zu unseren Bedürfnissen.

Ein kleiner Ausflug in die Urzeit des Menschen:

Unser Steinzeitmensch durchstreift den Dschungel. Plötzlich erkennt er ein Raubtier ganz in seiner Nähe. Sofort reagiert sein Körper mit der Ausschüttung von Adrenalin, das es ihm erlaubt, rasch zu körperlicher Höchstform aufzulaufen. Er tritt die Flucht an, rennt um sein Leben und kann sich so in Sicherheit bringen. Für diese Reaktion war es wichtig, dass er zuvor schon einmal erfahren hat: Raubtier = gefährlich.

So ist es im Grunde noch heute: Ist Gefahr im Verzug (heute natürlich nicht mehr durch Säbelzahntiger…!) stellt uns unser Gehirn zur raschen Reaktion 2 Möglichkeiten zur Verfügung: Angriff/Verteidigung oder Flucht („Fight or Flight“) und wenn gar nichts mehr geht: Todstellen.

Was wir fühlen dient uns also dafür, dass wir dafür sorgen,

  1. dass es  uns gut geht
  2. dass wir keiner Gefahr ausgesetzt sind.

Sie sind also die Motivation, das zu tun, was wir brauchen, damit wir uns wohlfühlen und wir gesund bleiben. Das führt uns ruckzuck zum Thema…

Bedürfnisse

Manchen ist vielleicht die Bedürfnispyramide von Maslow ein Begriff.

Was ganz unten (an der Basis) steht, ist grundlegender als das darüberstehende Bedürfnis. Es geht also in erster Linie darum, unsere körperlichen Bedürfnisse (Nahrung, Schlaf, Frischluft, …) zu decken und ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Erst dann werden uns soziale Bedürfnisse wichtig wie Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Freundschaften, Vertrauen, … Darüber stehen individuelle Bedürfnisse wie Freiheit, Selbstbestimmung, Wertschätzung. An der Spitze der Pyramide steht die Selbstverwirklichung, wo wir unsere Kreativität, Spontanität und unsere Werte verwirklichen wollen.

 

Die 4 psychischen Grundbedürfnisse nach Grawe

Prof. Klaus Grawe, ein deutscher Psychotherapeut und Professor für Psychotherapieforschung betitelt aufgrund seiner wissenschaftlichen Untersuchungen vier Grundbedürfnisse, die jeder Mensch hat.

  • Das Bedürfnis nach Bindung
  • Das Bedürfnis nach Autonomie/Kontrolle
  • Das Bedürfnis nach Lustbefriedigung/Unlustvermeidung
  • Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung/Anerkennung

Diese Bedürfnisse werden seit unserer Geburt mehr oder weniger befriedigt. Je nachdem, wie gut unsere Bezugspersonen dafür sorgten, dass diese Bedürfnisse ausreichend erfüllt wurden, haben wir uns dementsprechend entwickelt. Was damals zu kurz gekommen ist, hat weitreichende Folgen im Erwachsenenalter. Wir werden immer versuchen, auszugleichen, bzw. nachzuholen, was damals versäumt wurde. Dementsprechend wichtig sind dann eben jene Bedürfnisse für uns als Erwachsene.

Das Bedürfnis nach Bindung:

Wir alle wollen zu einer Gemeinschaft gehören (familiär, gesellschaftlich). Das war schon zu Urzeiten alleine deshalb wichtig, weil das Überleben in der Gruppe gesichert war, während die Überlebensfähigkeit eines Einzelnen nicht gewährleistet werden konnte. Sprich: Wir brauchten die Gruppe zum Überleben.

Ein gesundes Maß an Bindung an das Elternhaus, bzw. an die Bezugspersonen hilft bei einer positiven Entwicklung. Dann können wir uns als Erwachsene auch wieder gut Beziehungen zu anderen eingehen.

Wird das Bedürfnis nach Bindung in der Kindheit aber gestört, entwickeln wir als Erwachsene unter Umständen ein Nähe-Distanz-Problem zu anderen Menschen.

War die Beziehung zu den Eltern (oder zu einem Elternteil) zu eng (durch Klammern oder Einengen) wäre es möglich, dass wir als Erwachsene den Rückzug antreten und uns nur mehr ungern an jemanden binden.

Wurde das Bedürfnis nach Bindung aber durch  Vernachlässigung oder Ablehnung zu wenig befriedigt, könnte die Reaktion als Erwachsene eine überzogene Abhängigkeit in Beziehungen sein.

 

Das Bedürfnis nach Autonomie, Kontrolle:

Hier handelt es sich um den Erkundungsdrang beim Kleinkind, dem Wunsch nach Selbständigkeit („selber machen“), nach Unabhängigkeit und Macht.

Dieses Bedürfnis wird durch Überbehütung, stark kontrollierende Eltern, zu enge Vorschriften und Grenzen frustriert und beeinträchtigt. Die Auswirkungen sind Überängstlichkeit, Unselbständigkeit, Abhängigkeit, oder aber ein übersteigertes Machtbedürfnis

Autonomie gibt Sicherheit und bedeutet Kontrolle. Wer sehr auf seine Sicherheit bedacht ist, gerät in Gefahr ein „Kontrollfreak“ zu werden.

 

Das Bedürfnis nach Lustbefriedigung/Unlustvermeidung

Lust/Unlust steht in einem sehr engen Zusammenhang mit unseren Emotionen und sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Motivationssystems.

„Der Antrieb im Leben ist das Erlangen guter Gefühle.“

Alles Tun im Leben hat im Grunde nur einen Zweck: Wir wollen uns gut fühlen. Oder anders gesagt: Wir sind bestrebt, so zu leben, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden. Was unserm Leben förderlich ist bringt Lustgewinn. Was uns schadet vermeiden wir.

Ein Beispiel:

Wir gehen arbeiten und verdienen Geld. Um das Geld können wir uns etwas kaufen, von dem wir uns erhoffen, dass es in uns gute Gefühle auslöst. Die Motivationen sind natürlich verschieden. Die schöne Wohnung löst Behaglichkeit und Geborgenheit aus, gutes Essen sättigt und nährt uns, das Auto verschafft Mobilität und Bequemlichkeit, von anderen Dingen erhoffen wir uns vielleicht Bewunderung, das neueste I-Phone, der neueste Fernseher, die neuen Kleider versprechen Attraktivität, usw.

Wir trinken Alkohol für den Genuss, die Gemütlichkeit, oder damit die Hemmungen nachlassen, damit wir uns lockerer fühlen, damit wir vergessen, …

Wir leben in Beziehungen damit wir uns glücklich fühlen, weniger einsam, wertgeschätzt und respektiert, kurz damit wir uns geliebt fühlen.

Wir helfen anderen Menschen, weil uns das ein gutes Gefühl gibt, wenn wir gebraucht werden.

Wir treiben Sport, weil wir ein gutes Körpergefühl möchten, einen schönen Körper, der Bewunderung hervorruft, damit wir uns entspannen…

Wir alle sind irgendwie „süchtig“ nach positiven Gefühlen. Um sie zu erlangen tun wir beinah alles. Leider birgt dieses Verlangen ein Risiko: es kann zur Sucht werden! Wenn wir etwas zu exzessiv und lange tun, dann kann uns diese Überdosis krankmachen! Deswegen ist es wichtig, dass wir wissen, wie wir uns auf gesunde weise gute Gefühle machen und uns von lähmenden, negativen Gefühlen befreien können.

 

Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung/Anerkennung

Dieses Bedürfnis ist stark mit dem Bindungsbedürfnis verknüpft. Ohne Anerkennung kann eigentlich keine Bindung entstehen. Das Bindungsgefühl ist eine Form von Liebe und Anerkennung und deswegen auch existentiell.

Schon im Säuglingsalter lernen wir durch das Verhalten der Eltern, bzw. der Bezugspersonen, ob wir geliebt und willkommen sind. Im Lächeln der Mutter erkennt das Baby, dass es ok ist und dass sein Dasein erwünscht ist. Das nennt man „gespiegeltes Selbstwertempfinden“. Reagiert meine Umwelt positiv auf mich, weiß ich, ich bin in Ordnung und wertvoll.

Auch als Erwachsene haben wir das Bedürfnis nach Anerkennung durch andere, weil wir gewissermaßen auf diesen Spiegel konditioniert sind.

Menschen mit einem guten Selbstwertgefühl sind nicht so abhängig von der Meinung und dem Zuspruch anderer. Sie sind selbstsicher.

Menschen mit einem labilen Selbstwertgefühl sind oft stärker abhängig von äußerer Anerkennung. Sie sind eher unsicher, was ihr eigenes Auftreten anbelangt. Aus dem Selbstwertgefühl speisen sich unsere psychischen Ressourcen, es ist sozusagen das Epizentrum unserer Psyche.

Auf allen 4 Ebenen kann es zu positiven und negativen Prägungen des heranwachsenden Kindes kommen.

 

Damit ich mich wohlfühle, sollte ich auf meine Bedürfnisse achten!

Die Liste unserer Bedürfnisse ist lang! Ein paar haben wir hier bereits kennengelernt.

Wonach wir uns alle am meisten sehnen ist, geliebt, respektiert, wertgeschätzt und anerkannt zu werden. Auch das Bedürfnis nach Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit begleiten uns unser Leben lang.

Ich glaube allerdings, dass viele Menschen ihre Bedürfnisse nicht kennen und verlernt haben, auf ihre Gefühle zu hören. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass bestimmte „unattraktive“ Gefühle von Männern eher unterdrückt, bzw. verdrängt werden und andere von Frauen.

Ein Beispiel: Viele Männer können das Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht nicht zulassen, weil es dem Bild des „starken Mannes“ widerspricht. „Ein Junge weint nicht!“ „Sei kein Weichei!“ „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Sätze, die sich gut einprägen…!

Bei Frauen ist es oft das Gefühl der Wut, das unterdrückt wird, weil uns schon als Mädchen beigebracht wurde, immer lieb, nett, höflich und angepasst zu sein. Eine wütende Frau ist schnell als hysterisch verschrien. Und das ist wiederum gar nicht sexy und attraktiv…!

So wurde uns der gesunde Umgang mit unseren Gefühlen rasch abgewöhnt. Dabei will das Gefühl doch nur eines: gefühlt werden, damit es sich auch wieder verabschieden kann. Denn es ist der Überbringer einer wichtigen Botschaft: Da gibt es ein Bedürfnis, das gerade ansteht…!

Wenn wir als Kind verlernt haben, unsere unangenehmen Gefühle bejahend anzunehmen, ist dieser Schritt wahrscheinlich gar nicht so einfach.

Wie könnte so ein bewusstes Fühlen aussehen:

Überkommt mich also ein unangenehmes Gefühl, hilft es, das Gefühl zuerst einmal im Körper zu lokalisieren. Wo spüre ich diese Emotion? Im Bauch, im Hals, auf den Schultern, im unteren Rücken. Dann atme ich bewusst mit langsamen, tiefen Atemzügen in diese Stelle hinein. Dabei bejahe ich klar diese Emotion, z. B. mit „Ja, ich bin wütend und diese Wut darf jetzt da sein.“, „Ja, ich fühle mich gerade verletzt/traurig/hilflos…“ Es ist empfehlenswert, sich kurzfristig an einen Ort zurückzuziehen, an dem man ungestört ist, das kann unter Umständen auch einmal die Toilette sein. Nach 2-3 Minuten vergeht das Gefühl meist oder schwächt zumindest ab. In einer starken Emotion können wir auch nicht klar denken, denn wir sind dann in einem Stress-Modus und in so einer Phase wird das Frontalhirn mit dem wir rational denken, blockiert. Oft hilft es auch, wenn wir uns bewegen (gehen, springen…), auch dann lockert sich die Stressblockade.

Also: 1) Lokalisieren, 2) Bejahen, 3) Atmen/Bewegen…

In einem nächsten Schritt könnte man sich fragen, welche Gedanken dieses Gefühl ausgelöst hat. Und daraufhin wäre es gut zu erkennen, welches Bedürfnis hier gerade getriggert wurde.

  • Wollte/sollte ich Grenzen setzen?
  • Wollte ich in den Arm genommen werden, Zärtlichkeit, Nähe?
  • Wollte ich Verständnis und Mitgefühl?
  • Wollte ich Abstand und Ruhe?
  • Wollte ich Respekt und Wertschätzung?
  • Wollte ich Anerkennung?

Ein guter Anhaltspunkt für unsere Bedürfnisse sind unsere Werte, nach denen wir leben.

 

 

Hier ein paar Beispiele für Bedürfnisse in alphabetischer Reihenfolge:

Abenteuer, Abwechslung, Aktivität, Akzeptanz, Anerkennung, Anstand, Ausdauer, Ausgewogenheit, Aufrichtigkeit, Autonomie

Beharrlichkeit, Bequemlichkeit, Berührung, Bescheidenheit, Beständigkeit, Bewegung

Dankbarkeit, Demut, Diskretion, Disziplin

Echtheit, Effizienz, Einfachheit, Ehrlichkeit, Empathie, Engagement, Entspannung, Erholung, Erfolg,

Fairness, Familie, Feiern, Freiheit, Freundlichkeit, Frieden, Fürsorge,

Gastfreundschaft, Geborgenheit, Geduld, Gelassenheit, Gemeinschaft, Genauigkeit, Gerechtigkeit, Gesundheit, Glaubwürdigkeit, Gleichwertigkeit, Grenzen akzeptieren, Großzügigkeit, Güte

Halt, Harmonie, Heilung, Heimat, Herausforderung, Herzlichkeit, Hingabe, Hoffnung, Humor,

Identität, Innerer Friede, Inspiration, Integrität, Intimität, Klarheit, Klugheit, Kompetenz, Kontakt, Konzentration, Kooperation, Kreativität

Lachen, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Liebe, Licht, Loslassen, Loyalität,

Machbarkeit, Mäßigung, Menschlichkeit, Mitbestimmung, Mitgefühl, Mut,

Nachhaltigkeit, Nähe,

Offenheit, Ordnung, Originalität, Orientierung, Optimismus

Partizipation, Partnerschaft, Planung, Präsenz, Produktivität, Pünktlichkeit

Qualität

Raum, Realismus, Redlichkeit, Reflexion, Respekt, Rücksichtnahme, Ruhe

Sachlichkeit, Sauberkeit, Schönheit, Schlaf, Schutz, Selbstbehauptung, Selbsterkenntnis, Selbstverantwortung, Selbstvertrauen, Sicherheit, Sexualität, Solidarität, Sinnlichkeit, Sparsamkeit, Spaß, Spiel, Spiritualität, Spontanität, Standhaftigkeit, Struktur

Tapferkeit, Tiefe, Toleranz, Treue, Trost,

Unabhängigkeit, Unterstützung

Verbundenheit, Vergebung, Verlässlichkeit, Versorgung, Versöhnung, Verständnis, Vertrauen, Verantwortung, Vernunft, Vielfalt,

Wachstum, Wahlmöglichkeit, Wahrhaftigkeit, Wärme, Weisheit, Wertschätzung, Wohlstand, Wohlwollen,

Zärtlichkeit, Zeit, Zielstrebigkeit, Zivilcourage, Zugehörigkeit, Zusammenhalt, Zuhause

 

Unsere eigenen Bedürfnisse stehen manchmal in Konkurrenz zu den Bedürfnissen der anderen. Hierbei sind oft bestimmte Erwartungen im Spiel, wessen Bedürfnis berücksichtigt wird oder nicht. Langfristig ist es jedoch sehr bedenklich, die eigenen Bedürfnisse immer zugunsten der der anderen zurückzustellen! Mehr dazu erfährst du in meinem Blogartikel zum Thema „Empowerment“.

Wenn du dir wünschst, dass du dich wohl fühlst in deinem Leben ist ein wichtiger Schritt dorthin also der, dass du dich und deine Bedürfnisse samt den dazu gehörenden Gefühlen ernst nimmst und dass du gut für dich sorgst!

Du bist es wert, dass du dich gut um dich kümmerst!